Die Zeit ist vergangen und vergangen und tatsaechlich war es letzte Woche so weit, und keiner konnte es leugnen: unsere letzten Monate in Ecuador sind angebrochen. Auf dem Endseminar, dem final camp, werteten wir all unsere gemachten Erahrungen aus, lachten ueber all unsere kuruiosen Erlebnisse im Land am Aequator und weinten, weil es das letzte Mal sein wuerde, dass wir Freiwilligen uns alle saehen. Es ist wirklich kaum zu glauben… wenn ich daran denke, wie wir vor einem Jahr alle ankamen, voll mit Erwartungen, Abenteuerlust,… und alles so furchtbar neu und aufregend war. Es ist witzig, alte Tagebucheintraege von mir zu lesen (ich hab so viel erlebt, mein drittes Tagebuch ist voll!), wie spannend das Busfahren fuer mich was zum Beispiel. Inzwischen denke ich ans deutsche Busfahren und ich krieg die Krise. Wie langweilig, man weiss, wann der Bus kommt, es gibt Fahrplaene, er ueberholt nicht einen anderen Bus in der Kurve auf einer Bruecke, es toent keine ohrenbetaeubende Salsamusik und es steigen weder Menschen, die illgale CDs noch Fruechte verkaufen, zu (“MANZANAS, MANDARINAS, UN DOLAAAAAR”). Wie wird mir das alles fehlen!
Was hab ich noch alles erlebt die letzten Monate? Es tut mir so leid, dass meine Blogmotivation ein wenig gelitten hat…
Das Interessanteste ist ganz bestimmt der Besuch aus Estland, den ich hatte! Das war so ziemlich die interessanteste Begegnung, die ich hier hatte…
Karina ist eigentlich nur nach Ecuador gereist, um mir meinen USB-Stick vorbeizubringen, den ich bei Arvo in Bogotá vergessen hatte. Mit dieser Mission rief sie mich also eines Tagens an. “Hi, hier ist Karina, du kennst mich nicht aber ich kenne Arvo. Ich komm gerade aus Kolumbien und bring die deinen Stick mit. Bist du da? Och komm so in 2 Stunden an…”. Und so fings an.
Karina ist 27 Jahre alt. Schon mit 16 wusste sie, dass sie nichts in Estland halten kann, etwas zog sie in die Welt hinaus. Mit 25 schliesslich fasste sie den Entschluss: Also, dann gehe ich morgen! Seit 2 Jahren reist sie schon durch die Welt, ohne festen Plan, per Anhalter, nur mit ihrem Rucksack und einem Zelt. Sie weiss nicht, wer und was ihr begegnet, aber hat ein grossen Vertrauen in die Menschen und in ihren Weg. So ist sie ueber Russland, Alaska und Nordamerika gereist, hat Zentralamerika durchquert und ist schliesslich ueber Kolumbien nach Ecuador gekommen. Auf ihrer Reise hat sie schon in indigenen Gemeinden gewohnt, aber auch bei den Hutterern, sie spricht fliessend Russisch, Japanisch, Englisch, Estlaendisch, Spanisch und auch ein bisschen Deutsch. Alles, was sie zum Leben braucht, begegnet ihr auf ihrem Weg. Sie arbeitet nicht, nur als Freiwillige, aber hat alles, was sie braucht.
Vor allem hat sie eine Menge Erfahrung und ist ein ganz besonderer Mensch. Eine paar Tage hat sie bei mir in meienr Gastfamilie gewohnt und in der Guerdería gearbeitet, den Rest der Zeit bei einem Freund von mir, David, in Quito.
Wenn sich jemand fuer ihre Reise interessiert, kann einfach bei ihr weiterlesen (und eventuell auch ein paar Fotos von uns anschauen, wenn ichs schon nicht schaff, welche reinzustellem
):
www.followcarina.blogspot.com
Ansonsten bin ich dabei, Quito naeher und naeher kennenzulernen… und immer mehr Quiteña zu werden, also erschreckt nicht, wenn sich mein Spanisch ein klein bisschen seltsam anhoert (“de leyf, schevo las schaves!)
Quito lieben habe ich tatsaechlich erst jetzt gelernt… 10 Monate hat es gedauert, und ich moechte mich nicht mehr von dieser Stadt mit all ihrer Schoenheit, Haesslichkeit, Verruecktheiten trennen.
Schlimmer wird es allerdings, meine Familie hier zurueckzulassen. Sie sind alle absolut Teil meines Lebens geworden und ich habe sie fest ins Herz geschlossen.
Die letzte Zeit war ein wenig schwierig, da meine kleine Cristal krank war, Magen-Darm-Virus. Wir verbrachten 5 Naechte mit ihr im Krankenhaus. Jetzt geht es ihr Gott sei Dank besser und sie ist wieder ganz die Alte. Ich muss unbedingt ein Foto von ihr reinstellen, morgen vielleicht, dann hab ich eins dabei (uiui, ich hab schon eine Latina-Menthalitaet!). Sie ist richtig suess mit ihren 11 Monaten! Sie versucht schon die ersten Schritte und ihre groesste Leidenschaft ist es, mir all ihre Spielsachen in den Ausschnitt zu stopfen und wieder rauszuholen!
Und natuerlich uebt sie sich im Sprechen: Mamama, Papa, Taita (das ist Quichua fuer Papa), und sogar Anna!
In der Guerdería laeuft es auch sehr gut… in allem hat mich schon ein bisschen eine melancholische Stimmung eingeholt.. mir bleiben jetzt noch 3 Wochen mit meinen Kleinen. Drei Wochen voll mit Arbeit! Denn ich studiere mit den 3- und 4.jaehrigen ein Musical ein, fuer ihren Abschluss im Juli, und das muss noch sehr geprobt werden!
Das Badezimmer sieht uebrigens klasse aus! Davon werdet ihr auch Fotos sehen…. ich kann euch gar nicht sagen, wie dankbar ich euch fuer eure Beitraege bin, und natuerlich besonders die Kinder! Ich kann es gar nicht glauben, als Julia und ich das Projekt ins Auge gefasst haben hatten wir selbst nicht so daran geglaubt, dass das klappen kann. Und nun ist so viel zusammengekommen, so viele haben sich beteiligt, dass wir sogar noch Geld uebrighatten! Damit haben wir nun erstmal ein Plastikspielhaus gekauft, um den leeren Salon mit Leben zu fuellen. Dei Kinder lieben es! Und noch Material, denn wir haben so auch die Mieglichkeit, die Zimmerdecke des Babyzimmers zu rennovieren. Sie besteht naemlich nur aus einer Plastikfolie, die denh Staub, der vom Dach faellt, mehr oder weniger abhaelt. Nun kommen Holzplatten an die Stelle.
Ich danke euch wirklich fuer euren Beitrag, ohne den all das unmoeglich gewesen waere!!!
Es bleiben nun noch eineinhalb Monate fuer mich hier, die ich so sehr wie moeglich ausfuellen werde. Mitte Juli bricht auch die letzte Reise fuer mich an, mit meiner Freundin Helle fuer 2 Wochen nach Peru. Wenn ich von dort zurueckkomme bleibt mir noch eine Woche und ene groessere Reise steht bevor: dahin zurueck, wo ich herkomme, und wo ich, irgedwie doch, zumindest fuer die naechste Zeit, hingehoere: nach Deutschland. Das mich uebrigens wunderlicherweise mit einer Art Zauber zurueckzurufen scheint: seien es die Nutellaglaeser, die ich Supermarkt entdeckt hab oderdas Konzert der Jugendbigband Baden-Wuerrtembergs, auf das ich zufaellig in Quitos Altstadt gestossen bin.